"Wir haben immer an uns geglaubt"
Altachs Tormann Martin Kobras, Fußballer des Jahres 2010, hat sich in den 64 Spielen beim SCR Altach zu einem Führungsspieler entwickelt, der 24-Jährige traut seiner Mannschaft und vor allem auch dem Klub den Aufstieg und den längeren Verbleib in der Bundesliga zu.
Seit ein paar Tagen steht der SCR Altach wieder an der Spitze der Ersten Liga, haben Sie damit gerechnet, dass das in dieser Saison noch einmal sein könnte?
Ich bin immer davon ausgegangen, dass wir vor dem letzten Spieltag noch einmal Tabellenführer sein werden. Jetzt wird man sehen, ob die Mannschaft dem Druck standhält. Wir sollten aus dem Vorjahr gelernt haben, da waren wir am fünftletzten Spieltag Tabellenführer, dann leider nicht mehr.
Mit welcher Begründung haben Sie an die Tabellenführung geglaubt?
Erstens bin ich von unserer Mannschaft überzeugt, zum zweiten haben wir gehofft, dass der Lauf der Admira nicht anhält. Wir haben nie aufgegeben, wir haben auch bei neun Punkten Rückstand nicht aufgehört, hart zu arbeiten – und vor allem an uns zu glauben.
Das Frühjahr scheint optisch durchwachsen zu sein, Altach ist aber die beste Frühjahrsmannschaft. Wie erklärt sich diese Diskrepanz?D
Wir haben uns durch viele Rote Karten und unnötige Gegentore selbst um Punkte gebracht. Wir sind selbst verantwortlich dafür, dass wir nicht mehr Punkte am Konto haben. Die beste Frühjahrsmannschaft kommt aber nicht aus unserer Überlegenheit. Wir haben Punkte geholt – wie bei der Admira und gegen Austria Lustenau – die letzten Endes total wichtig waren. In beiden Spielen waren wir nicht die überlegene Elf, wir haben uns vier Punkte zum Ziel gesetzt, die sind es geworden.
Wer ist am 27. Mai Meister?
Wir natürlich!
Warum?
Weil wir von Spiel zu Spiel schauen, wir werden alles daran, in jedem Spiel drei Punkte zu holen.
Sie haben schon in jungen Jahren als Talent gegolten, was braucht es neben dem Talent, um im Profifußball auch ankommen zu können?
Die Begeisterung für den Sport hat mich immer angetrieben. Ich habe mir immer Ziele gesetzt. Auswahltormann, BNZ usw., ich habe diese Ziele auch erreicht.
Sie haben schon zwei Jahre bei Sturm Graz Bundesliga-Luft geschnuppert, fünf Spiele absolviert, warum hat es eigentlich mit dem Verbleib in der höchsten Spielklasse nicht ganz
geklappt.
Ich bin damals vom FC Hard zu Sturm Graz gegangen. Ich hatte mit Gratzei und Schicklgruber zwei erfahrene Tormänner vor mit, ich musste mich ganz einfach hinten anstellen. Was ich aber sicher gemacht habe sind wichtige Entwicklungsschritte. Ein Verein wie Sturm Graz konnte sich die Aufbauphase eines jungen Tormannes eigentlich nicht leisten, Foda hat mehr auf erfahrene Tormänner gesetzt.
Zu Beginn Ihrer Zeit in Altach gab es vielfach Stimmen, dass Sie zwar ein guter, aber ganz guter Tormann sind, wie nimmt man so was auf?
Ich habe das nicht wirklich registriert, ich habe meine Leistung als gut gesehen. Ich wurde als kleiner Tormann eingestuft, aber mit 1,82 m hat man gegenüber Riesen auch Vorteile. Etwa in der Schnelligkeit und Beweglichkeit. Die Größe ist nicht entscheidend, entweder man hält Bälle oder nicht.
Sie gelten als der beste Feldspieler unter Österreichs Torhütern, haben Sie in jungen Jahren nicht überlegt, Feldspieler zu werden?
Im Nachwuchs habe ich sehr gerne als Feldspieler agiert, ich denke, dass ich dort einiges gelernt habe. Aber ich wollte immer Tormann werden, dafür habe ich hart gearbeitet. Als Feldspieler wäre ich wahrscheinlich nicht Profi geworden.
Spätestens seit dem zweiten Jahr in Altach hat sich der Ruf geändert, Sie gelten zusammen mit Berger (Admira) als der beste Tormann der Liga. Trauen Sie sich die
Bundesliga zu?
Sicher trau ich mir das zu, es ist der nächste Schritt, den ich machen möchte. Am besten wäre es, ich könnte den Schritt mit Altach machen.
Warum mit Altach?
Weil der Klub sehr gut organisiert ist, ich glaube, dass hier etwas Großes entstehen wird. Altach hat das Potential sich als erster Vorarlberger Klub in der höchsten Spielklasse langfristig zu etablieren. Der Verein steht auf einem, sehr guten Fundament. Das sind alles Gründe, warum ich beim Bundesligaaufstieg des SCR Altach unbedingt dabei sein möchte.
Ein Blick in die Zukunft, was könnten Sie sich vorstellen, nach ihrer Karriere als Fußballprofi zu tun?
Ich möchte einmal so lange wie möglich als Profi spielen können, ich kann mir jetzt vorstellen, dann als Tormanntrainer Wissen und Erfahrung weiter zu geben. Ich denke, dass ich immer mit dem Fußball verbunden sein werde – aber das kann sich ändern, vielleicht will ich danach Abstand vom Fußball haben, das weiß man ja nie.