Über den Europacup in den Weltcup
Der Gargellener Frederic Berthold ist einer der vielen jungen Vorarlberger Alpinläufer, die schon ganz „nahe am Weltcup angekommen sind.“ Der 20-jährige erzählt im Interview unter
anderem, wie die Beziehung zwischen ihm und seinem Vater Matthias, der bekanntlich aktueller Cheftrainer der Alpinherren ist, funktioniert.
Nach zwei Silbermedaillen bei den Juniorenweltmeisterschaften im Vorjahr geht es für Sie jetzt in den „richtigen“ Skirennsport. Wo sehen Sie aktuell ihr
Potential?
Beim Neuseeland-Training bin ich im Slalom gut in Form gekommen. Ich trainiere mehr Slalom als im Vorjahr. Auch in den Speed-Disziplinen (Super-G und Abfahrt) glaube ich, dass ich im Europacup vorne mitmischen kann. Weniger gut läuft es im Riesentorlauf, das ist meine schwächste Disziplin.
Seit einem Jahr ist Ihr Vater Matthias Berthold ÖSV-Herrencheftrainer, wie stellt sich diese doch ungewöhnliche Situation für Sie dar?
Im Gegensatz zu früher weiß mein Vater mehr über mich, er schaut bei unserer Gruppe (EC-Gruppe) manchmal vorbei und sieht mich fahren. Das war früher, als er noch Trainer der Deutschen Skidamen war, nicht der Fall. Da gab’s im besten Fall zu Weihnachten zu Hause in Gargellen die eine oder andere Trainingseinheit.
Wie reagieren die Teamkollegen auf die verwandtschaftliche Nähe zum Herren-Cheftrainer?
Bislang gab es noch keinerlei Auswirkungen. Ich werde gegenüber den anderen nicht bevorzugt. Das würde auch keinen Sinn machen. Ich kann mich nur über Leistung für höhere Aufgaben
empfehlen. Ich glaube sogar, wenn er zwischen mir und einem anderen gleich starken Läufer entscheiden müsste, würde ich wahrscheinlich auf der Strecke bleiben. Ich kenne da meinen
Vater sehr gut, er will sich auf keinen Fall eine Bevorzugung seines Sohnes nachsagen lassen.
Wo siedeln Sie ihre Saisonziele an?
In den Speeddisziplinen werde ich versuchen, im Europacup um die Weltcup-Fixplätze mitzufahren. Im Slalom fühle ich mich stark genug, um meine Startnummer verbessern und unter die besten 30 zu fahren. Erst dann sind auch im Slalom Plätze ganz vorne möglich.
Im Nachwuchs wahren Sie ausschließlich in technischen Disziplinen unterwegs, warum ist sind die Speeddisziplinen dazu gekommen?
Eigentlich durch Zufall. Vor zwei Jahren beim Abfahrtstraining bei der Junioren-WM bin ich – damals gegen den Willen meines Vaters – das Training mitgefahren. Bei einer internen
Qualifikation habe ich mich überraschend durchgesetzt. Da habe ich dann die erste Silbermedaille bei der Juniorenabfahrt geholt. Dann sind EC-Einsätze gekommen, bei denen ich
gleich gepunktet habe. Deshalb habe ich auch die Speeddisziplinen in Angriff genommen.
Haben Sie gelegentlich bei Abfahrtsrennen auch Angst?
Grundsätzlich nicht, aber ich habe Respekt vor schweren Abfahrten, bei der Besichtigung schaut es dann oft schwerer aus, als es auf der Piste dann wirklich ist. Ich bin ein Typ
der sehr entschlossen ans Werk geht. Aber anders geht es nicht, das wäre dann auch wirklich gefährlich.
Wenn ich Sie richtig interpretiere, wollen Sie in der Saison 2012/13 im Weltcup starten?
Ja, das soll so kommen. Wenn ich aber im Weltcup fahre, muss es auch Sinn machen. Die Abfahrten muss man sich erarbeiten, im Super-G kann man eher schneller voll angreifen. Es
reizt mich aber schon, einmal schwere Abfahrten zu fahren.
Kann für Sie Olympia in Sotschi schon ein Thema sein?
Das wird die Entwicklung zeigen. In einer österreichischen Mannschaft muss man dann aber schon sehr gute Ergebnisse bringen, um sich zu qualifizieren. Wichtig wird sein, dass man
körperlich topfit ist, um solche Rennen zu fahren und solche Ziele überhaupt ins Auge fassen zu können. Gerade bei Weltcupabfahrten muss man als Läufer in einem Topzustand
sein.
Wie viel Zeit und Trainingsumfang investieren Sie in die Vorbereitung?
Wir trainieren jede Woche im Heeresleistungssportzentrum zwei Mal täglich. Wir trainieren alles, wichtig ist aktuell vor allem die Kraftausdauer. Schnellkraft, Kraft und davor
Ausdauer sind weitere wichtige Komponenten. Und das Skitraining nicht zu vergessen. Wir haben einen Monat lang in Neusseeland trainiert, haben Slalomtore „ohne Ende“
gefahren.
Gibt es für Sie einen Plan B neben der Skikarriere?
Ich kann mir keinen ganztätigen Bürojob vorstellen, eher etwas mit Verkaufsaußendienst. Ich glaube, dass ich mit anderen Leuten sehr gut auskomme, das wäre da von Vorteil. Aber
jetzt hat natürlich die Skikarriere absolute Priorität.