Martin Fischer: "Da ist ein Bubentraum in Erfüllung gegangen"

Veröffentlicht am 20.09.2010 von Sportservice Vorarlberg
Martin Fischer

Der 24 jährige Wolfurter Martin Fischer hat heuer schon einige Male für Schlagzeilen gesorgt: Als erster Vorarlberger spielt er im Hauptbewerb von Roland Garros, vier Wochen später stand er in Wimbledon unter den besten 64 Spielern der Welt und verlor denkbar knapp gegen die Nummer 27 der Welt. Ein Challenger-Sieg in Oberstaufen machte ihn zur Nummer zwei in Österreich. Aber erst seit gestern ist er in Österreich ein wirklich bekannter Sportler. Bei seinem Daviscup-Debut in Israel stand er vor der heiklen Aufgabe, für den entscheidenden dritten Punkt sorgen zu müssen. Nach einem schwierigen und wohl auch etwas nervösen Start verblüffte Fischer alle: Gegen den routinierten Harel Levy siegte der Vorarlberger mit 2:6, 6:3, 6:0 und 6:3. Gemeinsam mit Österreichs Topstar Jürgen Melzer, der beide Einzelspiele souverän gewann, gelang Fischer sogar eine denkwürdige Premiere. Noch nie seit dem ersten Weltgruppenaufstieg 1988 konnte Österreich ein 1:2 am Schlusstag noch umdrehen.

Martin, herzliche Gratulation, alle staunen über die Art, wie Sie das Spiel gewonnen haben. Sind sie wirklich so cool und nervenstark?
Das lässt sich hinterher leicht mit 'Ja' beantworten. Nein, im Ernst, ein Spiel wie jedes andere war es nicht. Aber mein Trainer Jogi Kretz (war nicht in Israel, Anm.) hat mir am Telefon wertvolle Tipps gegeben, besonders wichtig aber war das Vertrauen, das mir Kapitän 'Schilli' Schalller entgegengebracht hat. Das waren nicht nur Worte, das habe ich gespürt. Und wenn Du so eine Bank hinter Dir hast, wo alle zusammenhalten, wenn die Welt-Nr. 14 (Jürgen Melzer, Anm.) bei jedem einzelnen Ball - ob gut oder schlecht - hinter Dir steht, dann gibt das enorm Kraft.

Und trotzdem haben schon viele einem solchen Druck nicht standgehalten, vor allem vor dem emotionalen Publikum ?
Darauf war ich gut vorbereitet. Ich habe mir einfach vorgestellt, dass sie für mich schreien, und ich habe alles getan, sie nicht zu provozieren und nicht gegen mich aufzubringen. So ist es dann schon ruhiger geworden. Wichtig war natürlich, dass ich mich - obwohl der Start wie erwartet schwer war - gut auf den und das Spiel fokussieren konnte. Bei so einem langen Match kommst Du irgendwie in einen Trancezustand, wo Du nicht mehr groß überlegst. Dann blockiert man sich selbst nicht mehr, und vieles wird leichter.

Haben da die Erfahrungen von den großen Turnieren wie Paris oder Wimbledon geholfen?
Auf jeden Fall. Ich habe dadurch Erfahrungen mit Fünfsatzpartien bekommen, das ist enorm wichtig, weil die Spieleinteilung eine ganz andere ist. Einerseits ist ein Satzverlust nicht so dramatisch, andererseits ist mit zwei Sätzen eben auch noch gar nichts gewonnen. Da spielen sich bei diesen Grandslam-Turnieren wahre Dramen ab - nur sportliche natürlich.

Spielen Sie gerne vor so vielen Leuten?
Würde ich das nicht, hätte ich die Sportart verfehlt. Ja, ich kann es bei allem Stress auch genießen, vor vielen Leuten wichtige Matsches zu spielen. Das war in der Stadthalle gegen Tommy Haas und Martin del Potro schon so, und auch die großen historischen Tennisstätten wie eben Melbourne, Paris, London oder New York spornen mich an. Wenn man einmal dort war, will man immer wieder auf diesem Level spielen. Ein bisschen ist das wie eine Sucht.

Wie geht es jetzt im Daviscup weiter?
Am Mittwoch ist die Auslosung für die Weltgruppe der besten 16 Nationen, dann werden wir wohl ein großes Kaliber ziehen. Aber bis März ist noch viel Zeit. Vielleicht bin ich dann so gut, dass ich Jürgen (Melzer Anm.) auch auf diesem Niveau helfen kann. Nicht zu vergessen: Dann ist auch Julian Knowle wieder fürs Doppel fit, das ist für uns sehr wichtig. Schade, dass er in Israel verletzungsbedingt nicht dabei war. Zwei Vorarlberger im Team, das wird noch schöner.

Sehen Sie sich jetzt als Fixstarter?
Jeder Sportler weiß, dass er sich immer wieder aufs Neue beweisen muss. Nach meinem ersten Spiel - und mit diesem Sieg - sehe ich mich jetzt als echtes Teammitglied. Das ist aber auch schon alles. Es ist eine große Ehre für mich, im Nationalteam zu stehen, mit Grand-Slam-Siegern wie Jürgen Melzer oder Julian Knowle. Aber es gibt genug andere gute Spieler, die das auch wollen. Ausruhen gibt es da definitiv nicht.

Was steht heuer noch auf dem Programm?
Kurzfristig jetzt ein Challenger in Izmir, das wird vom Kopf her sicher nicht ganz einfach werden. Mal sehen, wie ich das Wochenende verarbeiten kann. Dann werde ich noch bis Ende Oktober spielen, mit dem Stadthallenturnier in Wien als Höhepunkt. Ich hoffe, dass ich da eine Wildcard für den Hauptbewerb bekomme.

Die top 100 sind das mittelfristige Ziel. Geht sich das heuer noch aus?
Mal sehen, aber da müsste ich schon sehr gut spielen, da ich aus dem Vorjahr noch einiges zu verteidigen habe. Aber rechnen bringt sowieso nichts, solche Pläne werden immer über den Haufen geworfen. Du kannst nur jede Woche das Beste geben und hoffen, dass es bergauf geht. Das war bei mir in den fünf Profjahren bisher stets der Fall, aber Garantien gibt es da auch nicht. Mein Gefühl sagt mir: Ich kann es schaffen.

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